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"Oral History" in Theorie und Praxis

Titel: "Oral History" in Theorie und Praxis

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1987 , 27 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jutta Faehndrich (Autor:in)

Geschichte - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Begriff „Oral History“ greift zurück auf die Ethnologie, wo Kulturen, die eine rein mündliche Überlieferung und keine Schriftkultur haben, als „Oral Traditions“ oder „Oral Societies“ bezeichnet werden. In solchen Gesellschaften ist die mündliche Überlieferung, oft in ritualisierter Form, die einzige bestehende Geschichte und nimmt als solche einen viel größeren Stellenwert ein als mündliche Überlieferung in westlichen Industrienationen.

Das Vokabular aus der Ethnologie wird jedoch in der Geschichtsforschung in einen völlig anderen Zusammenhang gebracht: ‘Diachrones Interview’, ‘Erinnerungsinterview’, ‘Oral-History-Interview’, ‘biographisches Interview’, dies alles sind unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Methode, nämlich die, Personen, die an Ereignissen, Epochen und Entwicklungen, die erforscht werden sollen, selber teilgenommen haben, ihre Erinnerungen erzählen zu lassen.

Wie aber sieht die genaue Vorgehensweise bei der Geschichtsforschung mit Hilfe von Oral-History-Interviews aus?

Grob vereinfacht gesagt sucht man sich vor Beginn eines geplanten Projektes eine Anzahl von Personen, die für das geplante Forschungsprojekt ‘aussagekräftig’ scheinen und läßt sie aus ihren Erinnerungen erzählen. Entweder man stellt ihnen Fragen zu bestimmten Themenbereichen oder man beginnt mit nur einer Leitfrage (z.B.: „Erzählen Sie doch mal, wie das war bei Kriegsende 1945...“) und läßt sie im weiteren Verlauf frei reden.

Die Impulse der Wissenschaftler, die in den fünfziger Jahren in den USA zum ersten Mal mit der Oral-History-Methode arbeiteten, waren vor allem, die Eliten- und Herrschaftsfixierung der Geschichtswissenschaft zu durchbrechen. Man wollte „die Sprachlosen, die bislang von Historikern nur allzu oft vernachlässigt worden sind“ 1 , wieder zu Wort kommen lassen. Dementsprechend gab und gibt es zahlreiche Forschungen zu Arbeitern und unteren Schichten der Bevölkerung; man wollte zur Individualität der Massen vordringen, die ‘einfachen Leute’ in den Blickpunkt der Geschichtsschreibung rücken. Man versuchte, eine Geschichtsschreibung anhand von Qualität statt Quantität der Erfahrungen zu etablieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Oral History - was ist das?

II. Das Gedächtnis

II. 1 Das ‘kollektive’ und das ‘individuelle’ Gedächtnis

II. 1.1 Das ‘autobiographische’ Gedächtnis

II. 1.2 Das ‘kollektive’ Gedächtnis

III. Das Interview selbst

III. 1 Besonderheiten eines Erinnerungsinterviews gegenüber herkömmlichen Quellen

III. 2 Praktische Vorüberlegungen bei der Durchführung von Erinnerungsinterviews

III. 3 Faktoren, die das im Interview Gesagte beeinflussen

III. 4 Faktoren, die Auswertung und Ergebnisse beeinflussen

IV. Fazit: Was kann Oral History leisten?

V. Oral History in Deutschland heute

B. Beispiele aus der Praxis - Nachkriegsalltag von Bergarbeiterfrauen im Ruhrgebiet

I. Anne-Katrin Einfeldt: Zwischen alten Werten und neuen Chancen - Häusliche Arbeit von Bergarbeiterfrauen in den fünfziger Jahren

Sozialisation im Elternhaus

Erfahrungen außerhalb der Familie

Arbeit nach dem Krieg

Außenwelt und Innenwelt

Erziehungsziel: Liebe und Strenge

Fazit

II. Margot Schmidt: Im Vorzimmer. Arbeitsverhältnisse von Sekretärinnen und Sachbearbeiterinnen bei Thyssen nach dem Krieg

Männermangel und seine Auswirkungen

Frauen haben keine Ehefrauen

Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen sowie die praktische Anwendung der Methode „Oral History“ im Kontext der Geschichtswissenschaft. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie mündliche Überlieferungen und Zeitzeugeninterviews dazu beitragen können, eine Sozialgeschichte des Alltags zu etablieren und die einseitige Fixierung der traditionellen Geschichtsschreibung auf politische Eliten zu durchbrechen.

  • Theoretische Verankerung der Oral History und Abgrenzung zur ethnologischen Tradition.
  • Methodische Analyse der Interviewführung, Gedächtnisprozesse und Einflüsse auf die Erinnerungsleistung.
  • Kritische Reflexion der Rolle des Interviewers und der Validität subjektiver Erfahrungsberichte.
  • Praxisbeispiel: Analyse des Nachkriegsalltags von Bergarbeiterfrauen im Ruhrgebiet.
  • Untersuchung von Sozialisationsmustern, Rollenbildern und beruflichen Herausforderungen von Frauen in den 1950er Jahren.

Auszug aus dem Buch

I. Oral History - was ist das?

Der Begriff „Oral History“ greift zurück auf die Ethnologie, wo Kulturen, die eine rein mündliche Überlieferung und keine Schriftkultur haben, als „Oral Traditions“ oder „Oral Societies“ bezeichnet werden. In solchen Gesellschaften ist die mündliche Überlieferung, oft in ritualisierter Form, die einzige bestehende Geschichte und nimmt als solche einen viel größeren Stellenwert ein als mündliche Überlieferung in westlichen Industrienationen.

Das Vokabular aus der Ethnologie wird jedoch in der Geschichtsforschung in einen völlig anderen Zusammenhang gebracht: ‘Diachrones Interview’, ‘Erinnerungsinterview’, ‘Oral-History-Interview’, ‘biographisches Interview’, dies alles sind unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Methode, nämlich die, Personen, die an Ereignissen, Epochen und Entwicklungen, die erforscht werden sollen, selber teilgenommen haben, ihre Erinnerungen erzählen zu lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Oral History - was ist das?: Das Kapitel führt in den Ursprung des Begriffs in der Ethnologie ein und definiert die Anwendung der Methode als Instrument der Geschichtsforschung zur Erhebung von Zeitzeugenerinnerungen.

II. Das Gedächtnis: Hier wird die Funktionsweise des individuellen und kollektiven Gedächtnisses beleuchtet sowie die Subjektivität von Erinnerungen als zentrale Herausforderung für Forscher thematisiert.

III. Das Interview selbst: Dieses Kapitel behandelt die methodischen Besonderheiten, Einflussfaktoren und praktischen Vorüberlegungen bei der Durchführung und Auswertung von Erinnerungsinterviews.

IV. Fazit: Was kann Oral History leisten?: Es werden die Potenziale der Methode hervorgehoben, insbesondere für die Sozialgeschichte des Alltags und eine Demokratisierung der Geschichtsschreibung.

V. Oral History in Deutschland heute: Eine kurze Bestandsaufnahme zur Relevanz und Praxis der Oral History in Deutschland außerhalb universitärer Strukturen.

B. Beispiele aus der Praxis - Nachkriegsalltag von Bergarbeiterfrauen im Ruhrgebiet: Einleitende Skizzierung zweier Forschungsarbeiten, die als Fallbeispiele für die Anwendung der Methode dienen.

I. Anne-Katrin Einfeldt: Zwischen alten Werten und neuen Chancen - Häusliche Arbeit von Bergarbeiterfrauen in den fünfziger Jahren: Untersuchung der Sozialisationsbedingungen und der familiären Rolle junger Frauen in der Nachkriegszeit.

II. Margot Schmidt: Im Vorzimmer. Arbeitsverhältnisse von Sekretärinnen und Sachbearbeiterinnen bei Thyssen nach dem Krieg: Analyse der beruflichen Situation und der Doppelbelastung von Frauen im industriellen Umfeld der Nachkriegsjahre.

Schlüsselwörter

Oral History, Zeitzeugeninterviews, Sozialgeschichte, kollektives Gedächtnis, Alltagsgeschichte, Erinnerungsleistung, Bergarbeiterfrauen, Nachkriegszeit, Rollenbilder, Biographieforschung, Industrialisierung, Interviewmethode, Frauenerwerbstätigkeit, Sozialisation, Subjektivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Methode der „Oral History“ als einem ergänzenden Instrument der Geschichtswissenschaft, um subjektive Erfahrungen von Zeitzeugen zu erforschen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die methodische Vorgehensweise bei Erinnerungsinterviews, die Psychologie des Gedächtnisses sowie die Untersuchung sozialgeschichtlicher Alltagsprozesse.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Oral History die klassische, oft auf Macht und Eliten fokussierte Geschichtsschreibung ergänzen kann, indem die Stimmen der „einfachen Leute“ hörbar gemacht werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der biographischen bzw. diachronen Interviews angewandt, kombiniert mit einer kritischen Reflexion der Interaktionsprozesse zwischen Interviewer und Befragtem.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Neben den theoretischen Grundlagen der Gedächtnisarbeit umfasst der Hauptteil zwei konkrete Praxisbeispiele zur Lebenssituation und Erwerbstätigkeit von Frauen im Ruhrgebiet der 1950er Jahre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Oral History, Sozialgeschichte, Zeitzeugen, kollektives Gedächtnis und Alltagsgeschichte.

Wie beeinflusst der Interviewer laut der Autorin den Prozess?

Der Interviewer beeinflusst die Ergebnisse durch seine Fragen, seine soziale Position gegenüber dem Befragten und durch die bewusste oder unbewusste Lenkung des Gesprächs in bestimmte inhaltliche Richtungen.

Warum ist die Doppelbelastung der Frauen in den 1950ern ein zentraler Punkt?

Die Doppelbelastung verdeutlicht den Konflikt zwischen traditionellen Rollenerwartungen (Hausfrau) und der realen Notwendigkeit oder dem Wunsch nach beruflicher Teilhabe in einer vom Strukturwandel geprägten Nachkriegszeit.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Oral History" in Theorie und Praxis
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Kulturgeschichte Deutschlands seit der Aufklärung (IV)
Note
1,0
Autor
Jutta Faehndrich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1987
Seiten
27
Katalognummer
V23214
ISBN (eBook)
9783638263818
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oral History Theorie Praxis Kulturgeschichte Deutschlands Aufklärung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jutta Faehndrich (Autor:in), 1987, "Oral History" in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23214
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Leseprobe aus  27  Seiten
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